Fachschaft 4 │ FRA-UAS

Soziale Arbeit & Gesundheit

Stellungnahme FSR Rücktritt  18.05.2021

Lieber Fachbereich 4, liebe Studierende, liebe Lehrende,                                        18.05.2021

wir, der Fachschaftsrat, treten zurück. Das „Warum“ werden wir hier darlegen:

Wir sind angetreten, neutrale Strukturen auf demokratischem Weg für die Fachschaft zu schaffen, die ganz klar nicht mehr an einzelne Personen gebunden sind. Durch die Formalisierung dieser Strukturen wollten wir Kontinuität sichern, die auch an anderen Fachbereichen oder Hochschulen üblich ist. Der Grund für dieses Ziel war der immer wieder stattfindende Verlust an Wissen um Hochschulstrukturen, Ansprechpartner*innen und andere wichtige Abläufe und Formalia. Immer wieder bei null anzufangen, schien uns nicht sinnvoll. Daher wollten wir für die Nachfolgenden der Fachschaft ein solides Fundament schaffen, auf dem sie aufbauen können.

Allein dieser Prozess hätte, trotz der Vorarbeit unserer Vorgänger*innen, mindestens ein Jahr Arbeit in Anspruch genommen. Als erster Schritt war uns eine weitere Demokratisierung und Herstellung von Transparenz in der Fachschaft wichtig, zum Beispiel bei der Auswahl der ESE-Tutorien[1] oder über die Fachschaft legitimierte studentische Kommunikationskanäle[2]. Diese Kanäle wollten wir in studentische Selbstverwaltung und Moderation geben, um dann allen Hochschulakteur*innen (Listen, Gremien, usw.) gleichberechtigten Zugang zu allen Studierenden zu ermöglichen. Auch hier war uns Neutralität wichtig, um das Feld nicht zu verzerren; zum Beispiel bei Hochschulwahlen.

Wir konzentrierten uns darauf, dass unsere Kommunikation und unsere Entscheidungen transparenter werden. Wir wollten unsere Abläufe nachvollziehbarer gestalten. Wir sind, genau wie alle, Studierende des Fachbereichs. Wir traten nicht mehr als Einzelpersonen gegenüber Akteur*innen der Hochschule auf, sondern in Mandaten oder gewählten Organisationsgruppen die Vertreter*innen wählten, die repräsentativ nach außen auftreten. Diese gewählten Vertreter*innen hatten in den Fachschaftssitzungen über den aktuellen Stand berichtet. Da die Kommunikation ausschließlich über den E-Mail-Server der Fachschaft lief, war diese auch für alle Fachschaftsrät*innen nachvollziehbar, was zuvor nicht der Fall war. Zusammenarbeit mit anderen Organen der studentischen Selbstverwaltung war ein weiterer wichtiger Punkt, den wir verfolgen wollten. Pauschale Verweigerung der Zusammenarbeit führte in der Vergangenheit dazu, dass wichtige Interessen der Studierenden nicht angemessen vertreten werden konnten und gegenüber der Hochschule schwer durchsetzbar waren.

Weitere Aufgaben der Fachschaft sind die Suche nach studentischen Vertreter*innen für Berufungskommissionen und Ausschüsse (z. B. Haushaltsausschuss, Prüfungsausschüsse), die dann im Fachbereichsrat gewählt werden. Ebenfalls wichtig sind Stellungnahmen zu neuen Prüfungsordnungen[3] oder Antragstellungen. Dies sind Aufgaben des Fachschaftsrates, die durch das Hessische Hochschulgesetz auch so vorgeschrieben sind. Wiederholt wurde eine nichtzuständige studentische Initiative (SI) durch Entscheidungstragende herangezogen, um diese Aufgaben zu erfüllen. Diese Situation brachte uns dann regelmäßig in die Zwangslage, vorweggenommene Stellungnahmen bestätigen zu müssen, obwohl sie inhaltlich der Mehrheitsmeinung der Fachschaft nicht entsprachen. Diese Stellungnahmen, die von Studierenden des FB 4 verfasst wurden, hätten schon von Anfang an innerhalb der Fachschaft geschrieben, demokratisch legitimiert und veröffentlicht werden können. So konnte sich aber die SI permanent von der Fachschaft abgrenzen und profilieren.

Alle Studierende des Fachbereichs 4 sind Mitglieder der Fachschaft und immer eingeladen, sich zu beteiligen und einzubringen, egal auf welche Weise und in welcher Intensität. Die Türen der Fachschaft standen unter Pandemiebedingungen, wenn auch nur virtuell, immer allen weit offen! Alle Entscheidungen (auch Stellungnahmen) hätten im Rahmen des angestrebten demokratischen Prozesses gleichberechtigt von allen Studierenden getroffen werden können. Angehörige der SI entzogen sich durch ihren Austritt aus der aktiven Fachschaft diesem demokratischen und gleichberechtigten Prozess, da sich für ihre Positionen keine Mehrheiten fanden.

Der Fachschaft wurde weiter beispielsweise von Angehörigen der SI vorgeworfen, nicht auf E-Mails von Studierenden im ersten Semester BASA SoSe 2021 zu reagieren. Auf Nachfrage bei den Studierenden (BASA SoSe 21) konnte das nicht bestätigt werden. Weiter wurde von den Angehörigen der SI auch nicht zur Aufklärung des vermeintlichen Problems beigetragen. Der Vorwurf blieb im Raum. Wir könnten auch weitere Beispiele aufführen, wollen aber hier nur exemplarisch die Bedingungen, unter denen Fachschaftsarbeit stattfinden sollte, darstellen, die immer wieder überproportional viel Zeit der Aktiven gebunden hat.

Durch Rollenvermischung zwischen Lehrenden und Studierenden im Fachbereich und in der SI wurde die studentische Selbstverwaltung unterlaufen, sabotiert und als unglaubhaft dargestellt. Lehrbeauftragte haben in Bereiche und Kommunikationskanäle der Studierendenschaft eingegriffen und aktiv eingewirkt; Fachschaftsrät*innen wurden von Lehrbeauftragten auf perfide Art und Weise verbal angegangen, Ausgangspunkt davon war die Einladung zur Fachschaftssitzung. Auch ist in Chatgruppen von Studierenden, in denen sich Lehrbeauftragte befinden, kein freier und ungehemmter Austausch mehr möglich. Beschwerden oder Probleme mit Modulen können dort nicht mehr offen geäußert werden.

Diese unguten Dynamiken führten uns in das Gespräch mit dem neugewählten Dekanat. Wir als Fachschaftsrat hatten den Eindruck, dass so eine konstruktive Basis geschaffen werden könnte, in der die Zuständigkeiten (geregelt nach dem HHG), Lösungsansätze für die offenen Konflikte und Bewusstsein für die Problematiken der Rollenvermischung zu finden. Auch hier wurde der Rollenkonflikt durch Vertreter*innen der Hochschule deutlich und es offenbarte sich uns ein strukturelles Problem der einseitigen Verschränkung zwischen der SI und Vertreter*innen des hochschulischen Fachbereiches. Dennoch einigten wir uns auf einen weiteren Gesprächstermin, auf den wir uns inhaltlich vorbereiten wollten.

In der Zwischenzeit wurden von Angehörigen der SI schwere Vorwürfe des Chauvinismus und Sexismus gegen die Aktiven der Fachschaft 4 erhoben. Diese Vorwürfe sind haltlos, beleidigend, pauschalisierend und zutiefst verletzend; im Kontext einer „(hochschul-) politischen“ Auseinandersetzung stil- und niveaulos. Außerdem wurde der in sozialen Medien veröffentlichte Beitrag offen und einseitig von Lehrenden aus dem Fachbereich „geliked“. So werden nicht nur der Fachschaftsrat, sondern die gesamte Fachschaft und ihre Vertreter*innen diskreditiert.

Der Fachschaftsrat sind gewählte Vertreter*innen aller Studierenden des Fachbereichs 4[4] [5]. Wiederholtes Übergehen unseres Aufgabenbereiches, einseitige Positionierung und Vorverurteilung durch einige wenige Vertreter*innen des Fachbereiches, Verstrickungen von -aus gutem Grund getrennten- studentischen und hochschulischen Aufgabenbereichen ließen uns ratlos zurück. An diesem Punkt angelangt müssen diese Problematiken von höheren Gremien gelöst werden.

Die erwähnten Probleme sind spezifisch für den Fachbereich 4 im Hochschulkontext und aus unserer Sicht strukturell bedingt. Wir sind verletzt, enttäuscht und sehr traurig, und treten zum Selbstschutz zurück. Das erreichte Ausmaß persönlichen, koordinierten und konstruierten Angriffe durch Angehörige der SI steht in keinem Verhältnis zu freiwilligem studentischem Engagement. Wir bedauern diesen Schritt sehr. Wir bedauern aber noch mehr, dass sich einige wenige Studierende bzw. Lehrbeauftragte des Studiengangs BASA/MASA so verhalten und so viel Raum bekommen.

Für alle weiteren Anliegen oder Belange wendet ihr euch bitte an das StuPa, den AStA oder direkt an die entsprechenden Gremien und Entscheidungstragenden, die im Anhang genannt werden. Wir wünschen euch trotz Pandemie ein erfolgreiches Studium.

Euer hiermit zurückgetretener Fachschaftsrat

Katharina Advani, Karina von Arend, Ynara Diemerling, Tanja Held, Jan Hofstetter, Lisa Hörle, Andreas Mangeot, Christian Manger, Viktoria Schmitt, Dennis Spuck

Download der Stellungnahme

[1] https://fachschaft-4.de/ese/
[2] https://fachschaft-4.de/chat-regeln/
[3] HHG § 44 Abs. 1
[4] HHG § 76 Abs. 1
[5] Satzung StuPa FRA UAS Abschnitt VIII